11-15-2018, 02:57 AM
Städtebau und Wohnsituation
Während Anfang des 21ten Jahrhunderts die teuersten Wohnungen überhaupt in den Innenstädten zu finden waren, während sich um die Stadt herum günstiger Wohnraum in Form von Ghettos bildeten, kehrte sich dieser Umstand im Laufe der Jahre deutlich herum. Wo früher auf die Offenbarung, dass man über eine Penthousewohnung im Herzen der Stadt verfügte von überall her ein 'Aaah' oder ein 'Oooh' folgte, folgt auf die gleiche Offenbarung heute nur noch ein mitleidiges Lächeln. Jeder der etwas auf sich hält, besitzt eine Wohnung in einer der neuen Satellitenstädte.
Doch wie kam es zu dieser Stadtflucht? Der rasche Anstieg der Bevölkerung, sowie der spärlich vorhandene Bauplatz, sorgte dafür, dass die Städte regelrecht mit Beton zugepflastert worden waren. Grünflächen mussten Bürogebäuden weichen und Parkanlagen Wohnblöcken. Die Folgen dieser massiven Flächenbetonierung waren drastisch. Regen führte zu regelmäßigen Überflutungen von Straßen und Kellern, da das Wasser keinerlei Möglichkeit mehr hatte auf natürlichem Wege im Erdboden zu versickern. Die Kanalisation der Städte war auf eine derartige Belastung nicht ausgelegt und war demnach auch nicht in der Lage diese Massen an Wasser ordnungsgemäß aus der Stadt zu leiten. Aber wer hat schon großes Interesse daran, in Gummistiefel von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen? Man forderte die Regierungen auf, etwas gegen diesen Zustand zu unternehmen und das taten sie auch.
Der erste Schritt war die Errichtung einer Satellitenstadt am Rande der eigentlichen Stadt. Konzipiert mit ausreichend Grünflächen und Häusern, ausgestattet mit der neusten Technologie. Ein nicht gerade günstiger Wohnort, aber die Oberschicht nahm die hohen Kosten gerne in Kauf. Keine nassen Füße mehr und dazu noch eine deutlich bessere Luftqualität waren nur zwei der ausschlagenden Faktoren für die erste Welle der Stadtflucht.
Der Umstand, dass der neue Wohnort nur den oberen Zehntausend zur Verfügung stand, führte natürlich zu Unmut innerhalb der Gesellschaft. Baufirmen witterten das große Geld und somit entstanden im Laufe der Jahre weitere Satellitenstädte. Nicht ganz so luxuriös wie die ursprüngliche Konzeption, aber noch immer verlockend genug, dass auch die weniger vermögende Oberschicht die Chance auf neuen Wohnort erhielt. Die Fläche für diese neuen Satellitenstädte erhielt man, indem man die ursprünglichen Ghettos im wahrsten Sinne des Wortes dem Erdboden gleich machte. Den Bewohner bot man entweder eine Wohnung im Kern der Stadt an, wobei es sich hier meist um Wohnungen der untersten Klasse handelte, oder aber man speiste sie mit einem Bruchteil dessen ab, was ihnen eigentlich zugestanden hätte.
Ein breiter Gürtel aus Grün trennt die Stadt von den grünen Inseln der Satellitenstädte. In sich geschlossene Kommunen, in der nicht nur die neuste Technologie vorherrscht, sondern auch die höchste Sicherheitsstufe. Früher hatte man sich in der Stadt vor dem schützen müssen, was vor der Stadt lauerte und heute musste man sich vor dem schützen, was in der Stadt lauerte.
